Menschenrechte der Frauen
Verletzung ihrer Menschenrechte
Olympe de Gouges

Olympe de Gouges
SELBSTPORTRÄT

Ich gräme mich über alles, kann aber auch lachen. Ein Insekt, das mich unerwartet sticht, ärgert mich und macht mich unerträglich zornig; aber vorbereitet auf leidvolle Ereignisse, bin ich beständiger und ruhiger als der kaltblütigste Mann.

Montauban

Montauban (am Tarn) - Alte Brücke

Die kleinen Sorgen regen mich auf, die großen Übel machen mich ruhig und mutig. Ich bin aus kleinen Fehlern gemacht, aber ich besitze große Tugenden. Wenige Personen kennen mich gründlich, wenige sind in der Lage, mich zu schätzen. Man hat immer wieder über meine Person gestritten. Die einen sehen mich so, die anderen beurteilen mich anders, und ich bin trotzdem immer dieselbe; nicht ich bin es, die sich ändert.

Ich kann nur mit wirklich ehrlichen Personen sympathisieren; Ich verachte die, die falsch sind, ich verabscheue die Boshaften; ich meide die Spitzbuben, ich verjage die Schmeichler; so kann man meinen, dass ich oft einsam bin.

Auteuil bei Paris. Hier schrieb Mdm. de Gouges die "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin".

Ich langweile mich nicht mit mir selbst, ich fürchte die Ansteckung nicht. Ohne Zweifel bin ich für die Gesellschaft gemacht; ich bin ihr rechtzeitig entflohen, ich habe sie in meiner strahlenden Jugend verlassen.

Man hat mir oft gesagt, dass ich schön gewesen sei, ich weiß nichts davon, ich habe es nie glauben wollen, denn ich verbrachte Ewigkeiten vor dem Spiegel, um schöner zu werden. Heute lache ich darüber.

Meine Freunde werfen mir zu große Einfachheit im Geschäft des Lebens vor. Sie sagen mir ununterbrochen, dass ich meine Talente nicht richtig zur Geltung bringe: dass, wenn man sich einen Ruf in der Literatur erarbeitet hat, man nicht mit allen reden darf, dass man nur den Mund öffnen sollte, um Sentenzen auszusprechen, dass man die Etikette wichtiger Personen beachten, in die Konversation nur ausgewählte geistvolle Gedanken einwerfen, überall zeigen sollte, wer man ist, sich in den eigenen Schriften nicht herablassen sollte und die Seelengröße besitzen muss, verachten zu können. Ich gestehe, das sind gelehrte Satzungen; aber ich kann ihnen folgen. Hierin sympathisiere ich mit dem berühmten Despréaux. Ich nenne eine Katze eine Katze und C***einen Spitzbuben. Ich klage über die Boshaften, weil ich ihnen weder schaden noch mich heimlich an ihnen rächen kann.
Ich lache über mich und über andere, weil ich von Natur aus fröhlich bin. Ich lache schon über eine Sache, ehe sie mir passiert, weil ich denke, es lohnt nicht sich aufzuregen.

Ich bin unkompliziert im Umgang mit allen, stolz gegenüber den Großen, weil mich weder Titel noch Ehren je blenden konnten. Man merkt niemals in meinen Diskursen, dass ich irgendeine Absicht habe, es sei denn, dass ich mit Künstlern zusammen bin. Ich bin immer und überall unter meinesgleichen.

Es ist wohl die Pedanterie, die mich begleitet; und wenn ich eines Tages berühmt würde, was ich nicht zu hoffen wage, wird man mich immer noch in derselben Einfachheit sehen wie in der Zeit, als ich noch nicht Autor war…

Ihr, die berühmten Dichter, die ihr wusstet, wie man mit Königen spricht, hattet einen größeren, reineren und lobenswerteren Ehrgeiz.

Die FRau ist frei geboren.

Es ist das Volk, an das ich mich wende. Alles, was aus meinem schwachen Genie kommt, muss gesehen werden als eine Frucht, die die Natur geschaffen und die keines Mannes Hand verbessert hat. Diese Frucht ist für mich unverkäuflich.

Unglück über jene, die mit ihrem grauenvollen Talent und ihren düsteren Schriften Gift und Zwietracht säen. Wie verachte ich jene, die ihre Lobreden gegen ihr Gewissen denen verkaufen, die sie hören wollen!

Aus: Olympe de Gouges. PAR ELLE-MÊME (Editions Cocagne, Montauban 1998)
Übersetzung: Gisela Müller, Leipzig.

 

 

Zum Seitenanfang Seitenanfang

© 2006-2014 Hannelore Schröder | Sitemap | Stand: 26.09.2014

Olympe de Gouges