Menschenrechte der Frauen
Verletzung ihrer Menschenrechte
Olympe de Gouges

Forschungsprojekte zu Leben und Werk von Olympe de Gouges
(Montauban 1748 – 1793 Paris)

Einigen, wenigen internationalen Wissenschaftlerinnen ist diese Autorin bisher bekannt als Verfasserin der „Erklärung der
Rechte der Frau und Bürgerin“(Paris 1791). Doch ihre anderen politischen Schriften und ihr umfangreiches literarisches Werk sind bisher nicht erforscht und daher leider unbekannt geblieben. Auch eine wissenschaftliche Biographie liegt noch immer nicht vor. Die Bemühungen einzelner feministischer Forscherinnen, größeres Interesse unter einer nennenswerten Zahl von Wissenschaftlerinnen und Dozentinnen an Universitäten und Lehrerinnen zu wecken, sind bis jetzt weitgehend vergeblich geblieben.

Buchtitel

Das ist höchst bedauerlich, denn Mme de Gouges ist eine der bedeutendsten Frauen in der Geschichte Europas, für deren Leben und Werke sich heutige Politikwissenschaftlerinnen, Historikerinnen und Romanistinnen interessieren sollten; hier liegt ein großes, unbearbeitetes Forschungsgebiet, das gerade für die Wissenschaftlerinnen sehr lohnend ist, die an Geschichte und literarischer Produktion von Frauen, an Entdeckungen, Innovation, statt am üblichen Kanon interessiert sind. Im folgenden mache ich daher einige Vorschläge für Forschungsprojekte, die von einzelnen Wissenschaftlerinnen bearbeitet werden können; ein großes, interdisziplinäres, langjähriges Forschungsprojekt, ausgestattet mit entsprechenden finanziellen Mitteln sollte im 21. Jahrhundert endlich möglich sein.

I. Die Tätigkeit der Olympe-de-Gouges-Stiftung in Amsterdam

In den Jahren 1996-1999, anlässlich des 250.Geburtstages von Olympe de Gouges, war in Amsterdam die Stiftung

„ 250ÈME ANNIVERSAIRE OLYMPE DE GOUGES. célébration européenne en 1998“

aktiv, um in einigen europäischen Ländern Frauengruppen und -organisationen,Wissenschaftlerinnen, Lehrerinnen und Publizistinnen anzuregen, im Jahre 1998 des 250. Geburtstages zu gedenken und Veranstaltungen aller Art zu planen.
Die Stiftung nahm Kontakt auf zu möglichen Interessentinnen in der BRD, Frankreich, Luxemburg, Österreich und in der Schweiz (in Holland waren bereits frühere Bemühungen vergeblich gewesen) und machte eine Reihe von Vorschlägen: Vorträge u. a. in Frauenbuchläden, Frauenkonferenzen an Universitäten, gemeinsame Aktionen in Paris, Aktivitäten von Lehrerinnen an Schulen, Stiftung einer Gedenktafel an einem Haus in Paris, wo Mme Gouges gewohnt hat, einen Stadtrundgang usf..

Die Frauen des Vorstandes erarbeiteten einen Kostenvoranschlag für diverse Aktivitäten und schrieben potentielle Geldgeber an: so die Europäische Union, Brüssel, die Heinrich Böll Stiftung, die Reemtsma-Stiftung, das Ministerium für Wissenschaft, Bonn, die Stiftung Rothschild, Paris und etliche andere.

Sie reisten nach Paris, um dort eine geeignete Adresse zu finden, den Hauseigentümer um Erlaubnis für das Anbringen einer Gedenktafel zu ersuchen und sich darüber zu informieren, welche weiteren Schritte notwendig sind, um ihr Vorhaben zu realisieren. Die Kontakte mit den Behörden verliefen mühsam, bzw. negativ. So wurde das Ersuchen der Stiftung, am 3. November 1997 eine Kranzniederlegung auf der Place de la Concorde – dem Ort der Hinrichtung – zu genehmigen, vom Prefet von Paris abgelehnt, im Namen von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“

Jahrelange Anstrengungen der Amsterdamer Stiftung, auf den 250. Geburtstag dieser bedeutenden Frau und ihrer Verdienste aufmerksam zu machen, stießen auf weitgehendes Desinteresse, namentlich in Paris, selbst unter den Frauen und Frauenorganisationen, die rechtzeitig angeschrieben worden waren. Die Frauen des Vorstandes haben insgesamt fünfhundert Postsendungen, darunter Plakate, in alle Richtungen verschickt.
Von offizieller Seite, von der EU in Brüssel, dem Ministerium in Bonn und von den großen, bekannten Stiftungen, erhielt die Stiftung Olympe de Gouges nicht den geringsten finanziellen Beitrag: Menschenrechte für die weibliche Bevölkerung sind in der Europäischen Union und in den oben genannten Ländern überhaupt kein Thema, weder ein wissenschaftliches, historisches und zeitgeschichtliches, noch ein aktuelles politisches Problem! Die Frauen Europas, die Mehrheit der Völker – sind in dieser Union nicht der Rede wert. Ihre Menschenrechte, die millionenfachen Schändungen der Rechte von Frauen und Mädchen hier und heute, sind den Politikern, Männern generell, selbstverständlich, herrschende „ Normalität“.

Was diese Stiftung dennoch – unter größter Anstrengung und mit kleinen Spenden einzelner Frauen – getan hat,
sollte wissenschaftlich aufgearbeitet werden; ebenso die Ignoranz, Gleichgültigkeit und Frauenfeindlichkeit öffentlicher Instanzen.

Hier sind kritische Forschung und Lehre, Publikationen, Wissensvermittlung, Aufklärung im weitesten Sinne an Universitäten, Schulen und Einrichtungen der politischen Bildung überfällig; Wissenschaftlerinnen und Lehrerinnen sind dazu berufen, in der Wissensvermittlung hinsichtlich dieser allgemeinen, lebenswichtigen, elementaren politischen Problematik vorbildlich tätig zu werden.

Die deutsche Olympe-de-Gouges-Stiftung (Sitz Leipzig) ist im Besitz der Akten der Amsterdamer Stiftung (1999 aufgelöst) und bereit, diese für Forschungszwecke zur Einsicht bereitzustellen.
Eine Politikwissenschaftlerin oder Historikerin mit dem Schwerpunkt Zeitgeschichte, in Kombination mit Romanistik, vor allem aber mit aktuellem Interesse an Menschenrechten der Frauen, findet hier ein lohnendes Arbeitsgebiet.

II. Die politischen Schriften von Olympe de Gouges aus den Jahren 1788-1793

Außer der „ Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ hat Mme de Gouges in diesen turbulenten Zeiten noch zahlreiche andere politische Schriften veröffentlicht, worin sie sich zu vielen aktuellen Problemen äußert. Sie selbst war durch ihr Theaterstück, in dem sie die Sklaverei der Schwarzen dramatisiert und durch ihren Konflikt mit dem Theater schon Jahre vor 1789 ins öffentliche Kreuzfeuer geraten, sogar verhaftet worden. Auch in ihren anderen literarischen Werken, Theaterstücke und Romane, hat sie soziale und politische Missstände thematisiert, vor allem die allgemeine Misere der Frauen, ihre Rechtlosigkeit, ihr Elend.
Primär sollten die weniger umfangreichen politischen Schriften bearbeitet werden und soweit möglich einige der explizit politischen Theaterstücke, denn wahrscheinlich finden sich darin sozialkritische und politische Äußerungen aus den Jahren vor 1788.
Zweifellos eskalieren die politischen Konflikte bis zu ihrer Hinrichtung in höchst dramatischer Weise auch dadurch, dass sie sich höchst engagiert und furchtlos - mit eigenen Plakaten, Broschüren, Vorschlägen und Anklagen, Adressen und öffentlichen Briefen an die herrschenden Männer - einmischte: das privilegierte, irritierte Geschlecht reagiert höchst unvernünftig und verbreitet infame Diffamierungen, Lügen, die primitiven Vorurteile, die mann im katholischen Frankreich seit Jahrhunderten ins Feld führt, um rebellierende Frauen durch Rufmord zu diskreditieren.
Ein großer Teil dieser politischen Schriften und literarischen Werke befindet sich in der Bibliotheque Nationale, Paris.
Der Verlag INDIGO & Cote-Femmes editions, Paris, hat in den 1990-er Jahren eine Reihe von Reprints der Werke von O. de Gouges herausgebracht.

III. Wissenschaftliche Biographie von Olympe de Gouges

Höchst wünschenswert, ja dringend ist die Erforschung ihres Lebens unter den Bedingungen des alten und neuen Regimes auf der Grundlage sorgfältigen Quellenstudiums in Archiven von Paris und Montauban.
Was bisher über die Autorin verbreitet wird, ist wissenschaftlich unhaltbar, beruht auf bösartigen Vorurteilen, obszönen Gerüchten und antifeministischer Interessenvertretung verschiedener Faktionen, die die Diffamierungen aller Frauen durch die Aufklärer-Väter bis heute fortsetzen. Diese Antifeministen, wozu auch der französische Historiker O. Blanc gehört, haben großen Schaden angerichtet und seriöse, historisch-kritische Forschung bisher überflüssig erscheinen lassen. Es ist höchste Zeit, solchen Schreibern
das Handwerk zu legen und diese bedeutende Frau entsprechend ihrer Verdienste zu würdigen.

Olympe-de-Gouges-Stiftung. Menschenrechte für weibliche Menschen (in Gründung)

 

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